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Rückblick
Neuheiten in OpenOffice.org 3.0

Mittwoch, den 18. Februar 2009 - 19:00 (Uni Duisburg)

Der Markt für kommerzielle Office-Software wird zweifellos immer noch unangefochten von Microsoft mit seinem MS Office beherrscht. Microsoft war hier lange Zeit in der Lage, die Entwicklung zu bestimmen. Insbesondere haben sich neue Versionen u.a. dadurch verbreitet, dass Microsoft immer wieder neue, zu den Vorgängerversionen inkompatible Dateiformate auf den Markt gebracht hat.

Mit OpenOffice.org steht aber seit geraumer Zeit für alle Anwender eine echte Open-Source-Alternative zur Verfügung. Schauen wir mal, wie die Website des Projekts OpenOffice.org beschreibt:

OpenOffice.org 3 ist die führende Open-Source-Office-Software-Suite für Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentationen, Grafiken, Datenbanken und vieles mehr. Es ist in mehreren Sprachen erhältlich und arbeitet auf allen gängigen Computern. Es speichert alle Daten in einem international genormten offenen Standard-Format, kann aber auch Dateien aus anderen Office-Software-Paketen lesen und schreiben. Es kann einfach aus dem Internet heruntergeladen und komplett kostenlos für jeden Zweck eingesetzt werden.

Mittlerweile sind wir schon bei der Version 3.0 (aktuell 3.0.1) von OpenOffice.org angelangt.

Als Referentin für diesen Abend konnten wir Frau Dipl.Ing Stehmann gewinnen, die als Testerin aktiv in den Releaseprozess von OpenOffice.org eingebunden ist.

Frau Stehmann stellte uns neue Funktionen in OpenOffice.org 3.0 vor. Besonderes Augenmerk wurde bei der Entwicklung von Version 3 u.a. auf den nativen MacOS-Support gelegt, auf die Unterstützung des erweiterten offenen Formats ODF-1.2, aber auch darauf, das neue Microsoft Office 2007 Format lesen zu können.

Viele der neuen OpenOffice-Punkte wurden von Frau Stehmann an praxisorientierten Anwendungen in einer u.a. vergleichenden Darstellung von alternativen Office-Paketen aufgezeigt.

Weiterhin erhielten wir interessante Einblicke in den Entwicklungsprozess von OpenOffice.org und die Zusammenarbeit mit den Sun-Entwicklern.

Dass man sein OpenOffice.org ganz stark an die eigenen Bedürfnisse anpassen kann, wurde uns anhand der "Extensions" deutlich. Hier gibt es mittlerweile jede Menge Erweiterungen, die zwar nicht den Weg in das offizielle Produkt und seinen Release-Zyklus geschafft haben, aber durchaus mächtige Werkzeuge sein können, die spezielle Aufgaben erledigen. Beispiele dafür sind PDF-Import, Präsentation-Modus auf zwei Bildschirmen und umfangreiche Reports (http://extensions.services.openoffice.org/).

Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass der ganze Vortrag von lebhaften Diskussionen der Zuhörer untereinander und mit unserer Referentin begleitet wurde. Ein typisches Zeichen dafür, dass das Thema und der Vortrag gut angekommen sind und dass OpenOffice.org auch bei den Besuchern des hitforum schon in weiten Kreisen Verbreitung gefunden hat. So entstand auch gerade zum Thema der Extensions eine heisse Diskussion.

Vielen (betrieblichen) Anwendern fehlt im OpenOffice eigentlich nur noch eine Komponente, die ebenso wie Outlook auf zentrale Kalenderdaten zugreifen kann. Hier ist es zu einer Zusammenarbeit zwischen OpenOffice.org und den Mozilla-Entwicklern des Thunderbird gekommen. Das Ergebnis ist "Lightning", ein in Richtung Outlook erweiterter Thunderbird.

Aus der Diskussion ergab sich, dass viele Anwender vor einem Umstieg auf OpenOffice.org absehen, weil sie sich nicht in der Lage sehen, ihre Makros von VBA auf StarBasic umzustellen. Beide Sprachen haben zwar annähernd den gleichen Sprachumfang, nutzen aber unterschiedliche Objekt-Modelle.

Abgesehen davon, dass es dem einen oder anderen Makro gut täte, wenn es mal jemand überarbeiten und vor allem dokumentieren würde, schrecken die mit einem Umstieg verbundenen Inkompatibilitätprobleme tatsächlich viele (mittlere) Anwenderfirmen ab. Neu für uns war, dass hier das Projekt OpenOffice.org durchaus Unterstützung anbietet, bis hin zur Migrationsberatung in den Firmen vor Ort.

Die Diskussion zeigte, dass jede Migration mit einem gewissen Aufwand verbunden ist auch innerhalb der Microsoft-Welt. Offenbar befinden sich bei vielen Unternehmen und Privatleuten noch "haufenweise" Microsoft-Works-Dokumente auf den Platten, die wie bei allen alten Daten üblich, heute nur noch schwer weiterzuverarbeiten sind.

Eine breite Unterstützung der Internationalisierung wird bei openoffice.org immer wichtiger. Anpassungen an "Complex Text Layout" (Texte in Sprachen, in denen nicht einfach von links nach rechts geschrieben wird, sondern von rechts nach links, von oben nach unten, etc.) werden unterstützt und weltweit arbeiten Teams an der Lokalisierung von OpenOffice.org in ihrer Sprache. So gibt es OpneOffice.org auch für kleinere Sprachgemeinden, die von den marktführenden kommerziellen Produkten einfach links liegen gelassen werden.

Neben der besonderen Problematik Menusysteme für CTL-Sprachen zu erstellen, liegt die meiste Anpassungsarbeit in der Übersetzung der Hilfetexte. Hier bewähren sich Werkzeuge wie "xliff" (http://developers.sun.com/dev/gadc/technicalpublications/articles/xliff.html) und spielen ihre Stärken besonders bei der Arbeit in verteilten Teams aus, wie Frau Stehmann aus eigener Erfahrung zu berichten wusste.

Bei einem so großen Entwicklungsprojekt wie OpenOffice.org, spielen Tests und eine hohe Testabdeckung eine bedeutende Rolle. Die Vielzahl der unterstützen Plattformen und Betriebssysteme stellen hier große Herausforderungen. So treten Fehler zum Beispiel in speziellem Konfigurationen und Umgebungen auf Endanwendersystemen auf, die vorher bei automatisierten und standardisierten Tests nicht erkennbar waren.

Im Projekt selber wird stets mit den Entwicklerversionen von openoffice.org garbeitet, häufige Datensicherung ist Pflicht, aber so können Fehler entdeckt, dokumentiert und behoben werden. Insgesamt haben die Produktversionen einen hohen Grad an Stabilität. Hier wird dann auch lieber mal ein neues Feature aus dem Release herausgenommen, da ja kein kommerzieller Druck zur Featuritis besteht.

Wer dennoch in seinem OpenOffice.org einen Fehler entdeckt, sollte ihn bitte mittels der Fehler-Reports melden, aber so, dass er möglichst nachvollziehbar ist. Jeder sinnvolle Hinweis ist willkommen. Meldungen bekannter Fehler werden rechtzeitig herausgefiltert, so dass die Entwickler wirklich nur an echten Fehlern arbeiten. Fehlermeldungen helfen, sie stören nicht!

Ein Problem scheint die ungenügende Abstimmung zwischen bestimmten Linux-Distributionen und dem OpenOffice.org-Projekt zu sein. Diese Linux-Distributionen packen häufig einfach eine Entwicklerversion in ihren Build, statt auf die ausgereiften älteren, aber freigegebenen und stabilen Versionen zu setzen.

Frau Stehmann hat das Thema openoffice.org für die Anwesenden aus verschiedenen Perspektiven dargestellt; viele Rückfragen führten zu sehr angeregten Diskussionen. Hier hat sich auch Dr. Stehmann lebhaft beteiligt, der uns noch aus dem Vortrag zur Vorratsdatenspeicherung bestens bekannt ist. Zeitweise hatten wir so beinahe zwei Referenten, die beide in der Open Source Szene aktiv sind. Die Diskussionen wurden anschließen noch beim Italiener fortgesetzt.

Zu erwähnen wäre noch, dass alle Interessenten die Gelegenheit hatten, eine aktuelle OpenOffice.org-DVD zum geringen Selbstkostenpreis zu erwerben und mit nach Hause zu nehmen.

Wir bedanken uns nochmals bei unserer Referentin!

Die Folien zum Vortrag können hier heruntergeladen werden!

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